Schranken geschlossen
Und immer wieder das uralte Leiden vieler Lintorfer: Die Schranken. Wieviele Texte wurden schon verfaßt, wieviele Politiker waren guten Mutes, wieviel hat jeder und habe ich selbst schon erlebt. Es könnte mein 34.stes Buch werden. Aber wer will sowas lesen. Als ich als klitzekleiner Junge noch die pompös qualmenden Dampfloks vorbeistampfen bestaunte, redeten die Erwachsenen schon von Unterführungs und Überführungs-Plänen. Haha.
Jedenfalls, neulich habe ich das erlebt, was schon immer alle befürchtet haben (und es war sicher nicht das erste Mal, dass es so kommen musste).
Ich kam spät Abends aus Ratingen und sah schon von Weitem gewaltiges Blaulicht-Geblitze vor der Schranke. Als ich nach ewigen Minuten (die Ampeln Nachts zwischen Ratingen und Lintorf sind auch etwas ganz Besonderes...) endlich in Lintorf ankam, sah ich entsetzt, was wirklich nicht wahr sein darf. Ein Rettungswagen im Notfall-Einsatz wartete brav und geduldig, bis der xte Güterzug langsam zuckelnd anruckelte und verüberzockelte. Nicht zu fassen!!! Man muss wissen, dass der Güterverkehr privatisiert und dispositiv organisiert ist, das bedeutet, es gibt - anders als im Personenverkehr - keinen turnusmässig geregelten Fahrplan. Sondern wenn ein Zug gefahren werden muss, dann wir er gefahren. Und wenn rangiert wird, oder Gleise belegt sind, dann wird eben umdisponiert oder still gestanden. Oft warten Lokführer stundenlang aufgrund schlampiger Einsatzpläne auf dunklen Gleisen, sogar heutzutage ohne dass am Ende des Zugs eine Positionsleuchte warnt. Aber natürlich ist es nicht möglich, dass die Einsatzleitung der Feuerwehr den Wächtern der Strecke einen Hinweis geben "Achtung, Schranke offen lassen, Notfall, Zugsignale auf HALT stellen"
Nun braucht niemand auf die Idee kommen, so ein Güterzug habe einn Bremsweg von mehreren Kilometern, das ist absurd, denn: Jeder Waggon ist gebremst, mehr als die Hälfte aller Fahrten sind Leerfahrten, die Fahrgeschwindigkeit liegt selbst auf dieser Strecke oft bei weit unter 60 kmh/h, also reicht durchaus EINE EINZIGE Minute, um einen Güterzug in einem Notfall zu stoppen. Der Rettungswagen braucht länger, bis er erst mal am Bahnübergang angekommen ist. Und die Hinterbliebenen des vielleicht inzwischen Verstorbenen brauchen noch viel länger, um über diesen unnötigen Verlust hinwegzukommen.
Und, selbst wenn es nicht ginge, warum versucht man es nicht wenigstens. Es ist soo leicht, sich ein wenig Mühe zu geben, anstatt leichtfertig Leben aufs Spiel zu setzen. Wann begreifen die Verantwortlichen ihre Verantwortung und erkennen, dass dieser Ortsteil anders als über den überdurchschnittlich lange geschlossen gehaltenen Übergang nicht zu erreichen ist? WANN???
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